Genereller Ladenschluss um 22 Uhr in NRW wegen Alkoholverkäufen?
by Heiko Wolf
Das Sommerloch hat sich noch nicht ganz geschlossen und so schafft es die Meldung, dass sich die GRÜNEN in NRW für einen früheren Ladenschluss einsetzen, Aufmerksamkeit zu erlangen. Der grüne Fraktionschef im Landtag, Reiner Priggen, hatte sich tatsächlich der WAZ gegenüber entsprechend geäußert. So wenig wie ich am Atomausstieg oder dem vereinbarten Ausstieg aus der Steinkohleförderung wackeln möchte, so wenig möchte ich am derzeit geltenden Ladenschluss rütteln, weil sich die Regelung in meinen Augen bewährt hat. Ja, ich habe schon nach 22 Uhr eingekauft. Ja, ich habe da auch schon Alkohol gekauft.
Begründet wird der für 22 Uhr angedachte Ladenschluss damit, dass es zunehmend negative Folgen im Umfeld der Verkaufsstellen durch Alkoholverkauf gebe, insbesondere durch den an Jugendliche. Aha, Jugendliche sind hier offenbar besonders problematisch. Aber, lieber Reiner Priggen: Warum dürfen Jugendliche überhaupt Alkohol kaufen? Fordere doch besser, den Verkauf von Alkohol an Jugendliche generell zu verbieten!
Ich selbst habe nicht beobachten können, dass es in der Nähe von Trinkhallen oder Kiosken “zunehmend” Belästigungen durch Jugendliche gibt. Das mag aber durchaus daran liegen, dass es im recht ländlichen Lohmar wenig Kioske gibt, die nach 22 Uhr geöffnet haben und dann Alkohol an Jugendliche verkaufen, die damit nicht umgehen können. Wenn es aber in Großstädten so anders zugeht als im ländlichen Raum bzw. es in Städten zu einer Potenzierung der Probleme kommt, sollte man auch die Frage diskutieren, ob Ladenöffnungszeiten nicht ohnehin besser eigenverantwortlich und differenzierter durch die betroffene Kommune geregelt werden können.
Davon abgesehen halte ich den offenen Verkauf von Alkohol an Jugendliche nicht für eine Frage, die man durch generelle Ladenöffnungszeiten oder allgemeine Verkaufsverbote ab 22 Uhr regeln sollte. Sonst geht um 21:30 Uhr einfach der Sturm auf die Trinkhallen los, um sich noch rasch für die restliche Nacht mit Alkohol einzudecken. Und das von Reiner Priggen beobachtete Problem wird bloß auf eine andere Uhrzeit verlegt… Die Kommune sollte entscheiden, wo und wie lange überhaupt Alkohol verkauft werden darf, egal ob an Jugendliche oder Erwachsene.
Und was ist mit den jugendlichen Konsumenten? Wer wie Reiner Priggen ein Problem mit jugendlichen Alkoholkonsumenten hat, sollte zielführender generell den Verkauf von Alkohol an Jugendliche verbieten – rund um die Uhr. So wie bei den Zigaretten.